Ribéry, Ronaldo und ein bisschen Neymar auf Tribschen

Seit zwei Jahren trainiert Ivano Mariani beim FC ­Kickers Luzern Kinder, die eine Beeinträchtigung haben. Nach anfänglicher Skepsis ist der Ball ins Rollen gekommen. Ein Besuch im Training der «Special Kickers».

Saif im Dress von Ribéry im vollen Einsatz bei den «Special Kickers».

 

Es ist Montagabend. Das Tor zum Sportplatz Tribschen ist geschlossen. Daneben wartet Saif. Seine Sporttasche steht vor ihm am Boden. Um 17 Uhr öffnet Robert Laurent, Vizeprä­sident des FC Kickers Luzern, das Tor. Er begrüsst Saif freundlich. Dieser geht mit grossen Schritten ins Stadion, geradewegs auf Ivano Mariani zu und streckt ihm die Hand entgegen. «Du bist schon da?», fragt Ivano lachend. «Du kannst dich ja schon umziehen.»

Eine Herzensangelegenheit
Ivano Mariani ist der Trainer der «Special Kickers». Das ist die Mannschaft für 10- bis 15-Jährige mit einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung. Vor zwei Jahren hat der FC Kickers Luzern in Kooperation mit Special Olympics dieses Projekt in Angriff genommen. «Es ist eine sehr gute Sache. Deshalb wollten wir den Versuch wagen», erklärt Robert Laurent. Im Verein hätten sie nach Unterstützung gesucht. Gemeldet hat sich Ivano Mariani, selbst Vater eines Juniorspielers. «Es war mir eine Herzensangelegenheit», erklärt er. Ivano ist Leiter Vertrieb und Kundendienst bei einer Maschinenbau-Firma und Vater von drei Kindern. Selber hatte er nie gross Berührungen mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Es war also der berühmte Sprung ins kalte Wasser.

Grosse Unterschiede
«Saif, möchtest du helfen, die Tore aufzustellen?», ruft Ivano. Saif steht inzwischen im Dress von Bayern München am Spielfeldrand. «Ribéry» steht auf seinem Rücken. Saif hat Trisomie 21. «Die Kinder in unserer Mannschaft haben verschiedene Beeinträchtigungen», erklärt Ivano und ergänzt: «Entsprechend sind ihre Bedürfnisse ganz unterschiedlich.» Wie man diese in einem Training vereint, hat Ivano Mariani in der von Special Olympics organisierten Ausbildung zum Sport Coach gelernt. «Die Unterstützung von Special Olympics Switzerland war sehr hilfreich für den Einstieg. Vieles habe ich aber ‹on the job› erfahren und gelernt.»


«Die Freude am Spiel steht bei uns im Zentrum»

Ivano Mariani


Bereichernde Begegnungen
Der Start war harzig: Es war schwierig, genügend Kinder zu finden. «Weil die Eltern schon einen hohen Koordinationsaufwand für ihre Kinder aufbringen müssen, konnten sie sich kaum vorstellen, noch ein Fussballtraining in den Zeitplan aufzunehmen.»

Heute trainieren um die zwölf Knaben und Mädchen aus der Region Luzern bei den «Special Kickers» im Vereinsstadion, zusammen mit anderen Junioren-Mannschaften. Das Projekt habe innerhalb des Vereins einiges bewirkt, weiss Ivano Mariani. «Es gibt schöne und spannende Begegnungen, die für alle bereichernd sind.» Inzwischen sind auch die anderen Kinder eingetroffen. Ivano hilft noch beim Schuhebinden und Anziehen der Goaliehandschuhe. 18.15 Uhr, es geht los: Kurzes Einlaufen, anschliessend Schussübungen. Und nach bereits drei Minuten fragt Luigi: «Können wir endlich ‹mätschle›?»

Bravo, Saif!
Dann geht die Post ab: Pass, Schuss. «Lücken schliessen!», ruft Goalie Raphi. Ein Dribbling. Einwurf. An Action und Einsatz mangelt es nicht. Saif hält sich von den Zweikämpfen lieber fern und steht im Strafraum für einen Einsatz bereit. Pass, Schuss. Auch eine verblüffend echte «Neymar-Schwalbe» darf nicht fehlen. «Saif muss auch noch ein Tor schiessen!», ruft Kaveen.

«Die Freude am Spiel steht bei uns im Zentrum», sagt Ivano mit grosser Begeisterung. Nach dem Training sehe er die Welt mit anderen Augen. «Die Dankbarkeit der Kinder ist gross», weiss der Trainer zu schätzen. Und auch seitens der Eltern seien schon ­viele positive Rückmeldungen an ihn getragen worden.

Kaveen ruft wieder: «Saif muss auch noch ein Tor schiessen!», Pass zu Nils. Nils zu Saif. Und dieser hämmert den Ball aufs Tor. Goal! Saif strahlt über das ganze Gesicht. 


Text: Daniela Imsand, Bild: Andreas Becker

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