Inklusion in der Kochschürze

Im Schloss Laufen am Rheinfall arbeitet ein ­junger Mann mit einer Behinderung: Amir Zahran ist Teil des Teams in der Restaurantküche. Dieses Setting ist für alle Beteiligten ein Gewinn.

Amir Zahran (rechts) arbeitet gerne mit dem Küchenchef Robert Wiedemann zusammen.

 

Das Schloss Laufen am Rheinfall ist nicht irgendein Restaurant. Auf einem Felsen über den tosenden Wassern gelegen ist es schon wegen seiner herausragenden Lage ein Touristenmagnet. Kein Wunder hat es sogar eine eigene Bahnstation. Von dort geht es über eine Treppe oder im Lift auf den Felsen, auf dem seit tausend Jahren das Schloss Laufen thront. Das Restaurant bietet Platz für 200 Personen. Dafür braucht es viel Personal. Einen der 50 Arbeitsplätze belegt seit knapp zwei Jahren Amir Zahran. Der junge Mann mit einer geistigen und körperlichen Behinderung arbeitet in der Restaurantküche. In der einen Hand ein Rüebli, in der anderen das Rüstmesser, unterbricht er seine Arbeit und erzählt: «Ich bin zufrieden hier, die Arbeit in einem normalen Betrieb gefällt mir besser als vorher in einem geschützten Rahmen.»

Im Team dazugehören
Nach einer Praktischen Ausbildung nach INSOS in Hauswirtschaftspraxis suchte er eine Anschlusslösung und meldete sich bei mitschaffe.ch, der Personalverleihfirma für Menschen mit Behinderung in der Region Schaffhausen. Thomas Bräm hat die Firma vor fünf Jahren zusammen mit seiner Frau Barbara lanciert. Doch mit der Vermittlung der Stelle allein ist es nicht getan. Mitschaffe.ch bietet ein umfassendes Job-Coaching und übernimmt die administrativen Arbeiten bei der Anstellung und Entlöhnung. «Wir erläutern dem Mitarbeiter und allenfalls seinen Eltern die Rechte und Pflichten, die er im Betrieb hat», erklärt Bräm. Mit Amir Zahran etwa habe er anfangs trainiert, den Arbeitsweg alleine zurückzulegen. Angestellt ist der junge Mann bei der Personalverleihfirma, die ihm den Stundenlohn ausbezahlt und dem Restaurant verrechnet.


«Die Arbeit in einem normalen Betrieb gefällt mir besser als vorher in einem geschützten Rahmen.»

Amir Zahran


Diese Unterstützung weiss der Arbeitgeber zu schätzen. Geschäftsführer des Schlosses Laufen Bruno Greuter: «Ich habe schon früher Menschen mit Behinderung angestellt, aber wenn ich den administrativen Aufwand nicht habe, ist das natürlich viel angenehmer.» Dann bleibt mehr Zeit für den persönlichen Kontakt mit seinen Angestellten. Und die sei ihm wichtig: «Ich gehe jeden Morgen bei jedem und jeder einzelnen vorbei, gebe die Hand und frage, wie es läuft.» Eine gute Atmosphäre im Team, faire Arbeitsbedingungen und Wertschätzung der Angestellten sind für ihn das A und O eines erfolgreichen Betriebs. Dazu gehört auch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. «Ich bin selbst mit einer Schwester mit einer schweren Behinderung aufgewachsen», so der Geschäftsführer. Aber es ist nicht nur die private Erfahrung, die Bruno Greuter motiviert: «Ein grosser Betrieb soll Menschen mit Behinderung eine Chance geben. Die Investition lohnt sich ganz klar, und zwar auf der sozialen Ebene.» Es sei ein Gewinn für alle. Amir Zahran ist hoch motiviert und stolz darauf, in einem normalen Betrieb zu arbeiten, im Team dazuzugehören und mit allen in der Personalkantine zu essen. Seine Kollegen profitieren, da sie lernen, Rücksicht zu nehmen. «Auch ich freue mich, wenn ich in die Küche komme und Amir bei der Arbeit lachen sehe», sagt Greuter. Die Reaktionen von aussen, etwa von Lieferanten, seien durchwegs positiv.

Rücksicht und ­Verantwortung
Der Geschäftsführer räumt aber ein, dass in der Gastronomie die Arbeitsbelastung gross ist, besonders im Sommer, wenn das Restaurant täglich geöffnet hat und auch die grosse Terrasse in Betrieb ist. Bei schönem Wetter sei die Terrasse oft innerhalb von zehn Minuten voll besetzt und dann heisst es für die Serviceleute rennen. Deshalb möchte er Amir Zahran im Service, wo der Druck besonders stark spürbar sei, nicht einsetzen: «Er braucht eine gewisse Balance. Die ist im Umfeld der Küche gewährleistet, wo er eine klar definierte Arbeit macht. Wir wollen die Leute fördern, aber wir müssen auch Rücksicht nehmen da­rauf, was sie als Person mitbringen. Das ist Teil unserer Verantwortung.» Und wenn es einmal nicht so glatt läuft, wenn jemand einen schlechten Tag hat oder in der Zusammenarbeit Probleme auftauchen? «Das gibt es natürlich auch, wir sind alle nur Menschen», sagt Bruno Greuter, «aber wenn man in engem Kontakt und Austausch mit den Mitarbeitern steht, versteht man sich besser und kann leichter eine Lösung finden.» Bei ernsthaften Problemen bieten Barbara und Thomas Bräm von mitschaffe.ch Support. Wenn ein von ihnen vermittelter Mitarbeiter mit den Anforderungen nicht fertig wird oder mit dem Team Mühe hat, suchen sie das Gespräch. Sollte sich herausstellen, dass der Mitarbeiter am falschen Platz ist, versucht die Personalverleihfirma, eine andere Stelle für ihn zu finden.

Die Integration von Menschen mit Behinderung funktioniere nur, wenn auch der Abteilungsleiter voll dahinterstehe, in diesem Fall der Küchenchef. «Er entscheidet, ob es geht oder nicht», sagt Greuter. Der Küchenchef steht in regelmässigem Austausch mit mitschaffe.ch und erhält wenn nötig Unterstützung. Was braucht es weiter dafür, Menschen mit Behinderung einzustellen? Bruno Greuter ist überzeugt: «Teamwork ist wichtig, die Ziele und die Rollen der einzelnen Mitarbeitenden müssen klar definiert sein: Wer macht wann was? Wenn man sich dann noch mit Respekt begegnet, kommt es gut. Das braucht viel Zeit, von heute auf morgen gelingt das nicht. Aber wenn der Wille bei allen da ist, dann funktioniert es.»


Text: Susanne Schanda, Insieme Magazin, Bild: Vera Markus

An der Swiss Handicap

Besuchen Sie «mitschaffe.ch» in der Halle 2, Stand C 2074.

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