Bilder, die die Welt bedeuten

Wasser oder Sirup, das ist hier auf der Intensiv-Wohngruppe der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL an manchen Tagen die grosse Frage. Nicole Portmann, Fachfrau Betreuung, weiss, wie sie die Klienten bei der Beantwortung optimal unterstützen kann.

Mit Bildkarten bringt Nicole Portmann Struktur in den Alltag von Reto.


Bei der Zimmertür von Reto (Name geändert) hängt eine A3-Tafel, auf der mit Klettband verschiedene Fotos befestigt sind. Kurz zuvor hat Nicole Portmann einzelne Fotos aus einem Karteikästchen ausgewählt und mit dem Klienten besprochen: Eine Mahlzeit ist auf einem der Fotos zu sehen, eine Zahnbürste, eine lächelnde Frau, ein Velo auf anderen. Damit ist Reto, ein Mann mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung, «im Bild», was heute Morgen auf ihn zukommt und wer ihn dabei unterstützt.

Struktur gibt Sicherheit

Nicole Portmann arbeitet auf einer der zwei Gruppen mit Intensivbetreuung im Haus «Rigi» in Emmen-Rathausen. Insgesamt führt die SSBL hier sechs Wohngruppen für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung und stark herausfordernden Verhaltensweisen. Für viele Unterstützungssituationen braucht es eine Eins-zu-eins-Begleitung. Kommunikation ist dabei ein zentrales Thema. «Es ist wie mit einer Fremdsprache: Bedürfnisse zu erkennen – für uns Betreuende – und Bedürfnisse mitzuteilen – für die Klientinnen und Klienten – ist nicht immer einfach, wenn die gängigen Mittel der Kommunikation nicht greifen», führt die Fachfrau Betreuung aus. Als Hilfe wendet Nicole Portmann die Tafel mit den Bildern an. Sie zeigen Reto den strukturellen Ablauf des Vormittags. Doch sie geben ihm zugleich auch Orientierung und Sicherheit und unterstützen ihn beim Kommunizieren: etwas vom Wichtigsten, damit sich die Klientinnen und Klienten wohl und geborgen fühlen. 


«Ich nehme die Menschen, wie sie sind – ich schaue nicht auf ihre Defizite, sondern versuche, ihr Potenzial zu erkennen und zu fördern. Das braucht viel Zeit und es sind kleine Schritte, doch sie bewegen die Welt.»

Nicole Portmann


Kleine Schritte

Die Arbeit hier in der Gruppe mit Intensivbetreuung ist anspruchsvoll und alle im Team haben stets ihre Sinne offen für Hinweise zu Befindlichkeiten – jede noch so kleine Äusserung kann eine grosse Bedeutung haben. Die professionelle Zusammenarbeit ist sehr eng, der Teamgeist ausgeprägt: Stets sind alle bereit, einander zu unterstützen, wenn es in einer schwierigen Situation mehr als zwei Augen, Ohren und Hände braucht. Wie schafft es Nicole Portmann da, ihre Fröhlichkeit zu bewahren? Sie lächelt: «Ich nehme die Menschen, wie sie sind – ich schaue nicht auf ihre Defizite, sondern versuche, ihr Potenzial zu erkennen und zu fördern. Das braucht viel Zeit und es sind kleine Schritte, doch sie bewegen die Welt.»

Fragen stellen, um Barrieren abzubauen

Nicole Portmann freut sich, wenn die Gesellschaft neugierig ist auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderung, und gibt gern Einblick in ihren Berufsalltag. Und sie findet es cool, den Mut zu haben, Fragen zu stellen, Antworten zu geben und Antworten zu bekommen. Sagts und hält zwei Fotos in die Höhe – eins mit einem durchsichtig gefüllten und eins mit einem rot gefüllten Glas: Wasser oder Sirup?


Text: Petra Meyer, Bild: Christoph Arnet

Lebensraum z’mitts drin für Menschen mit Behinderung

Die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL begleitet und betreut im Auftrag des Kantons Luzern an 12 Standorten im ganzen Kanton Luzern Menschen mit einer geistigen und mehrfachen Behinderung.

In 40 Wohngruppen und diversen Tagesgruppen engagieren sich rund 850 Mitarbeitende für 413 Frauen, Männer und Kinder. Die Dienstleistungen umfassen die Bereiche Wohnen, Arbeit und Beschäftigung sowie Freizeit.

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Samstag, 30. November, 15.30 Uhr, Evenbühne

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